RELIGIÖSE NACHRICHT

Als die Nachricht neulich um die Erde lief
Gott sei aus der Kirche ausgetreten
Wollten viele das nicht glauben
Lüge Propaganda und Legende
Sagten sie
Bis die Oberen und Mächtigen der Kirche sich erklärten
Und in einem sogenannten Hirtenbrief
Folgendes erzähltem

Wir die Kirche
Haben Gott dem Herrn
In aller Freundschaft nahgelegt
Doch das Weite aufzusuchen
Aus der Kirche auszutreten
Und gleich alles mitzunehmen
Was die Kirche immer schon gestört
Nämlich :

Seine wolkenlose Musikalität
Seine Leichtigkeit
Und vor allem Liebe Hoffnung und Geduld
Seine alte Krankheit
Alle Menschen gleich zu lieben
Seine Nachsicht seine fassungslose Milde
Seine gottverdammte Art und Weise
Alles zu verzeihen und zu helfen
Sogar denen die ihn stets verspottet
Seine Heiterkeit seine Komik
Großzügig bis zur Selbstaufgabe
Sein utopisches Gehabe

Seine Vorliebe für die die gar nicht an ihn glauben
Seine Virtuosität des Geistes überall und allenthalben
Auch sein Harmoniekonzept bis zur Meinungslosigkeit
Seine unberechenbare Größe
Und vor allem seine Anarchie des Herzens
Undsoweiter undsoweiter undsoweiter
Darum haben Wir die Kirche
Ihn und seine große Güte
Unter Hausarrest gestellt
Äußerst weit entlegen
Daß er keinen Unsinn macht
Und fast kaum zu finden ist

Viele Menschen
Als sie davon hörten
Sagten
Ist doch gar nicht möglich
Freunde

Kirche ohne Gott
Gott ist doch die Kirche
Ist doch eigentlich gar nicht möglich
Gott Ist doch die Liebe
Und die Kirche ist die Macht
Und es heißt Die Macht der Liebe
Oder?
Oder geht es nur noch um die Macht
Andere Sprachen
Auch nicht schlecht
Kirche ohne Gott
Leute
Warum nicht
Kirche ohne Gott

Ist doch gar nichts Neues
Gott kann sowieso nichts machen
Heute läuft doch wirklich alles anders
Gott ist out Gott ist out Gott ist out
War als Werbeträger nicht mehr zu gebrauchen
Und die Kirche hat zur richtigen Zelt
Das Steuer rumgeworfen
Kirche ohne Gott
Das ist der neue Slogan

Doch den größten Teil der Menschen
Sah man hin und her durch alle Kontinente ziehn
Und sie sagten:
Gottseidank
Endlich ist er frei
Kommt wir suchen ihn ihn!

HANNS DIETER HÜSCH

       

Das Gewicht des Schenkens

Ivan Illich erzählt eine kleine Begebenheit, die trotz ihrer Unscheinbarkeit das ganze Gewicht des Schenkens vermittelt:

„Es war an meinem ersten Morgen in Senegal, im Marktviertel von Dakar. Mit einem Freund verließ ich das Haus, in dem ich die Nacht verbracht hatte, und wir gingen an der Mauer einer Sufi-Moschee entlang. Dort standen Bettler mit ausgestreckter Hand. Mit christlicher Selbstverständlichkeit stöberte ich nach einem Zehnfrankenstück in meiner Tasche und legte es so beiläufig wie möglich in eine dieser Hände. Ich hatte den Mann nicht einmal angesehen. Mein Freund blieb stehen und forderte mich auf, dem Bettler in die Augen zu sehen und mich vor ihm zu verbeugen. Ich hatte ihm eine Spende gereicht und jetzt war es an ihm, mich mit einem Koranspruch zu segnen. Was da vor sich ging, war genau das Gegenteil eines Gabentausches. Es war eine Feier der Unvergleichbarkeit von zehn Franken und Allahs Segen. Und gerade deshalb konnten wir einander in die Augen sehen als Du und Du. Die Unvergleichbarkeit der Spende hatte unsere Ebenbürtigkeit bezeugt.
            

                

Vom Geben     

Ein reicher Mann sagte: Sprich uns vom Geben.
Und er antwortete: Ihr gebt nur wenig, wenn ihr von eurem Besitz gebt.
Erst wenn ihr von euch selber gebt, gebt ihr wahrhaft.

Denn was ist euer Besitz anders als etwas, das ihr bewahrt und bewacht aus Angst, dass ihr es morgen brauchen könntet?

Und morgen, was wird das Morgen dem übervorsichtigen Hund bringen, der Knochen im spurlosen Sand vergräbt, wenn er den Pilgern zur heiligen Stadt folgt?

Und was ist die Angst vor der Not anderes als Not? Ist nicht Angst vor Durst, wenn der Brunnen voll ist, der Durst, der unlöschbar ist?

Es gibt jene, die von dem Vielen, das sie haben, wenig geben – und sie geben um der Anerkennung willen, und ihr verborgener Wunsch verdirbt ihre Gaben.

Und es gibt jene, die wenig haben und alles geben. Das sind die, die an das Leben und die Fülle des Lebens glauben, und ihr Beutel ist nie leer.

Es gibt jene, die mit Freude geben, und die Freude ist ihr Lohn.

Und es gibt jene, die mit Schmerzen geben, und der Schmerz ist ihre Taufe.

Und es gibt jene, die geben und keinen Schmerz beim Geben kennen: weder suchen sie Freude dabei, noch geben sie um der Tugend willen;
Sie geben, wie im Tal dort drüben die Myrte ihren Duft verströmt.
Durch ihre Hände spricht Gott, und aus ihren Augen lächelt Er auf die Erde.

Es ist gut zu geben, wenn man gebeten wird, aber besser ist es, wenn man ungebeten gibt, aus Verständnis;

Khalil Gibran
              

Telefongespräch mit Gott

Zum Nachdenken
8 Regeln für ein Telefongespräch mit Gott
Eine kleine Anleitung zum Beten

1. Achte auf die richtige Vorwahl. Wähle nicht gedankenlos und telefoniere einfach drauflos.
2. Lass dich durch das Besetztzeichen nicht irritieren. Versuch es ein zweites Mal. Bist Du sicher, dass du die richtige Nummer gewählt hast?
3. Ein Telefongespräch mit Gott ist kein Monolog. Rede nicht unablässig, sondern höre hin, was auf der anderen Seite gesagt wird.
4. Prüfe bei Unterbrechungen, ob du nicht selbst in Gedanken den Kontakt gestört hast.
5. Gewöhn dir nicht an, Gott nur über den Notruf anzurufen.
6. Gott hat ein Handy. Er ist immer zu erreichen, wenn du ihn sprechen willst.
7. Telefoniere mit Gott nicht nur zum Billigtarif, also am Wochenende. Auch sonst müsste regelmäßig ein kurzer Anruf möglich sein.
8. Mach dir keine Gedanken, ob dein Telefonapparat modern genug ist. Gott freut sich immer über deinen Anruf.

      Sebastian Fiebig

         

Das Vater Unser einmal anders!

Unterbrich mich nicht, Herr – ich bete!

Beter: „Vater unser im Himmel…“

Gott: „Ja?“

Beter: „Unterbrich mich nicht! Ich bete!“

Gott: „Aber du hast mich doch angesprochen!“

Beter: „Ich dich angesprochen? Ah… nein eigentlich nicht. Das beten wir eben so Vater Unser im Himmel!“

Gott: „Da, schon wieder! Du rufst mich ja an, um ein Gespräch zu beginnen, oder? Also, worum geht`s?“

Beter: „Geheiligt werde dein Name…“

Gott: „Meinst du das ernst?“

Beter: „Was soll ich ernst meinen?“

Gott: „Ob du meinen Namen wirklich heiligen willst? Was bedeutet denn das?“

Beter: „Es bedeutet…, es bedeutet…, meine Güte ich weiß nicht was es bedeutet. Woher soll ich denn das wissen.“

Gott: „Es heißt, dass du mich ehren willst, dass ich dir einzigartig wichtig bin, dass dir mein Name wertvoll ist.“

Beter: „Aha, hm, das verstehe ich. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel also auch auf Erden…“

Gott: „Tust du das wirklich?“

Beter: „Dass dein Wille geschieht? Natürlich! Ich gehe regelmäßig zum Gottesdienst, ich zahle Kirchensteuer und Missionsopfer.”

Gott: „Ich will mehr, dass dein Leben in Ordnung kommt, dass deine Angewohnheiten, mit denen du anderen auf die Nerven gehst, verschwinden, dass du von anderen her und für andere denken lernst, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, auch dein Vermieter und dein Chef. Ich will dass Kranke geheilt, Hungernde gespeist, Trauernde getröstet und Gefangene befreit werden. Denn alles, was du diesen Leuten tust, tust du dann für mich.“

Beter: „Warum hältst du das ausgerechnet mir vor? Was meinst du, wie viel stinkreiche Heuchler in den Kirchen sitzen? Schau die doch mal an!“

Gott: „Kommt und mein Wille geschieht. Das fängt nämlich ganz persönlich bei dem an, der darum bittet. Erst wenn du dasselbe willst wie ich, kannst du ein Botschafter meines Reiches sein.“

Beter: „Das leuchtet mir ein. Kann ich jetzt mal weiter beten? Unser tägliches Brot gib uns heute…“

Gott: „Du hast Übergewicht, man! Deine Bitte beinhaltet die Verpflichtung, etwas dafür zu tun, dass die Millionen Hungernden dieser Welt ihr tägliches Brot bekommen.“

Beter: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern…“

Gott: „Und dein Arbeitskollege?“

Beter: „Jetzt fang auch noch davon an! Du weißt doch, dass er mich öffentlich blamiert, dass er mir jedes Mal arrogant gegenübertritt, dass ich schon wütend bin bevor er eine herablassende Bemerkung äußert. Das weiß er auch! Er nimmt mich als Mitarbeiter nicht ernst, er tanzt mir auf dem Kopf herum, dieser Typ hat…“

Gott: „Ich weiß, ich weiß! Und dein Gebet?“

Beter: „Ich meine es nicht so!“

Gott: „Du bist wenigstens ehrlich. Macht dir das eigentlich Spaß, mit so viel Bitterkeit und Abneigung im Bauch herumzulaufen?“

Beter: „Es macht mich ganz krank.“

Gott: „Ich will dich heilen. Vergib ihm doch, und ich vergebe dir. Vielleicht vergebe ich dir auch schon vorher. Dann sind Arroganz und Hass seine Sünde und nicht deine. Vielleicht verlierst du Geld, ganz sicher verlierst du ein Stück Image. Aber es wird dir Frieden ins Herz bringen.“

Beter: „Hm, ich weiß nicht, ob ich mich dazu überwinden kann.“

Gott: „Ich helfe dir dabei!“

Beter: „Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen…“

Gott: „Nichts lieber als das. Meide bitte Personen oder Situationen, durch die du versucht wirst!“

Beter: „Wie meinst du das?”

Gott: „Du kennst doch deine schwachen Punkte Unverbindlichkeit, Finanzverhalten, Sexualität, Aggression, Erziehung. Gib der Versuchung keine Chance.“

Beter: „Ich glaube, dies ist das schwierigste Vater Unser, das ich je betete. Aber es hat zum ersten Mal etwas mit meinem täglichen Leben zu tun.“

Gott: „Schön! Wir kommen vorwärts. Bete ruhig zu Ende.“

Beter: „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.“

Gott: „Weißt du, was ich herrlich finde? Wenn Menschen wie du anfangen, mich ernst zu nehmen, echt zu beten, mir nachzufolgen und dann das zu tun, was mein Wille ist. Wenn sie merken, dass ihr Wirken für das Kommen meines Reiches sie letztlich Selbst glücklich macht.“

aus: Beten durch die Schallmauer Impulse und Texte Katholische Junge Gemeinde
             

In deinem Licht

Was jetzt wichtig ist,
einmal wird es vergehen.

Was jetzt ängstigt,
einmal wird es gelöst sein.

Was jetzt erstrebenswert ist,
einmal kommt es nicht mehr darauf an.

Einmal werden sich die Dinge ordnen.

Da wird mir genommen,
woran ich jetzt festhalte.

Da fällt von mir ab,
was mich jetzt beunruhigt.

Da werde ich vor dir stehen
in deinem Licht.

Und dein Blick macht
das Gerade und das Krumme
meines Lebens offenbar.

Urteile du:
Denn einzig du weißt,
wer ich bin.

Hildegard Nies